Moudu

Ich heisse Modou und bin in der Memmingerstrasse in Leutkirch zuhause.
Im Theater SCHWARZ auf WEISS war ich einer von vier Akteuren.
Wir haben in Szenen erzählt, was uns alles passiert ist während der Flucht aus Gambia über Senegal, Mali, Burkina Faso, Niger und dann Libyen, dann über das Mittelmeer im Boot, und dann angekommen in Europa. Dann Deutschland und Leutkirch.
Die Sahara liegt zwischen Niger und Libyen.
In den vielen Monaten dort in der unendlichen Wüste Richtung Libyen erlebte ich etwas, was ich nicht vergessen werde. Ich möchte es erzählen:
Ich fuhr eine Strecke in einem Lastwagen mit. Der Fahrer stoppte für eine kleine Nachtpause von zwei Stunden. Es war wieder eine eiskalte Nacht im eiskalten Wüstensand. Wir fanden keine einzigen Grasbüschel, um uns darauf zulegen. Trotzdem schliefen wir bald im Sand ein.
Als es Hell wurde sah ich in der Nähe zwei Jungs, die gerade ein grosses Loch im Sand ausgegraben haben. Ich kam näher und sah einen toten Mann da liegen. Er war schon halb zugedeckt vom Sand. Ich fragte, was da passiert war. Die Zwei erzählten, dass sie aus Libyen zurück in den Senegal wollen, nicht weiter nach Europa.
Sie sagten, dass der tote Mann als Mitfahrer unschuldig in einen Autounfall verwickelt wurde. Das Auto sei auf einen grossen Stein gefahren und habe sich überschlagen. Der Fahrer sei verschwunden und habe den verletzten Mitfahrer zurück gelassen. Jetzt ist er tot.
Ich dachte an die arme Familie, und ich stellte mir vor, dass sein Handy nie mehr bei ihnen klingeln würde. Wo war sein Handy?
Also sagte ich, dass ich den Toten noch genau sehen möchte. Ich drehte ihn auf die Seite, suchte die Hosentaschen, fand sein Handy, dann noch seinen Ausweis und einen silbernen Ring an seinem Finger.
Er hatte den gleichen Namen wie ich, MODOU!
Und er war aus dem Senegal, wohin die Zwei wollten. Also bat ich Sie, bei Ihrer Rückkehr diese drei letzten persönlichen Gegenstände zu der Familie des Toten zu bringen. Ich machte Fotos mit seinem Handy. Der Ring und die Fotos sollten ein Zeugnis geben. 
Mir war es wichtig, dass die Todesnachricht an die Familie überbracht wird. Also machte ich den beiden Jungen klar, dass das auch uns passieren kann und unsere Familien dann Gott danken für Nachrichten, auch wenn es die Traurigsten sind. Sie versprachen, Ausweis, Ring und Handy an die Familie zu geben, im Senegal, ihrem Endziel. So habe ich dann Abschied genommen von den zwei Jungs und vom unbekannten toten Modou.
Im Lastwagen Richtung Libyen stellte ich mir vor, dass ich der Tote sein könnte, vergraben im Wüstensand, verschwunden für immer, ohne Nachricht an meine Familie.
Das war die Geschichte vom unbekannten Modou.
.....erzählt von Modou Cham……übersetzt von Claudia Bühler

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